Alle Ergebnisse unter: https://vdh.caniva.com/event/22700/VDH-DM-der-Gebrauchshunde/resultAll
und viele schöne Fotos der KfT-Mannschaft unter: https://photos.app.goo.gl/YEufBrZ8Y16zLt319
Hitzeschlacht beim Heimspiel – VDH DM 2026
Ok, „Heimspiel“ darf man nicht allzu wörtlich nehmen, wenn unsere am weitesten gereiste Teilnehmerin Nele Burmeister knapp 800 km einfachen Weg hat. Aber auf dem örtlichen Fußballplatz des TSV Petersaurach, einer mittelfränkischen Gemeinde mit knapp 5000 Einwohnern, kam man sich durch die liebevolle Umsorgung der lokalen Vereine vor wie zu Hause. Auch die zahlreichen Schlachtenbummler der OG Nürnberg sorgten für frenetischen Jubel und Anfeuerungen unseres KfT-Teams und schafften es in der Lautstärke-Wertung gleich hinter dem ADRK auf Platz 2!
Aber der Reihe nach…
…die Meisterschaft aller Rassen ist seit jeher das Highlight im Veranstaltungskalender eines Hundesportlers. Dort treffen die Besten der Besten der Rassehunde- und Hundesportverbände aufeinander um den deutschen Meister zu küren und ein Team zur Weltmeisterschaft zu entsenden.
Anreise
Einer erst seit letztem Jahr etablierten Tradition nach, beginnt das sehr anstrengende, verlängerte Wochenende erst einmal mit einem gemeinsamen Abendessen mit dem Team und Teilen des Fanclubs.

Nach kurzer Besichtigung der Wettkampfstätte konnten wir bei Schnitzel mit Pommes für 10 € (sowas gibt’s nur in Franken!) noch einmal Kraft tanken, uns auf den folgenden Trainingstag einstimmen und schon eine erste Strategie für das Training festlegen. Der Wettergott – der offenbar keinen Hund hat und mit ihm an einer Meisterschaft teilnehmen muss – meinte es in diesem Jahr besonders gut mit uns und es waren Temperaturen bis 38 Grad angekündigt. Zu allem Überfluss sah der Trainingszeitplan vor, dass das KfT-Team zur größten Mittagshitze (12:18 Uhr – 12:48 Uhr) auf dem Platz musste. So sahen wir dem Donnerstag, wie auch dem restlichen Wochenende mit gemischten Gefühlen, stetem Blick auf die Wettervorhersage, aber einer großen Portion Zuversicht entgegen.
Training
Schon um 7:00 Uhr hatte es über 20 Grad und die Rottweiler gerade nochmal Glück. Eine gewisse Restkühle der Nacht hielt sich noch im Umfeld des Platzes und Team für Team absolvierte das Training, während die Quecksilbersäule höher und höher kletterte. Die Mannschaftsführer Andreas Zorn und Uwe Ritthammer hatten das Team bereits gleich nach Öffnung der Meldestelle angemeldet und verteilten an jeden die Startnummern und Willkommenspakete. Bei knapp 6 Minuten Zeit pro Hund/Hundeführer-Team muss man das Training straff organisieren, damit für Unterordnung und Schutzdienst ausreichend Zeit bleibt und ein eventueller Patzer noch einmal korrigiert werden kann. Deshalb um 11:15 Uhr kurze Absprache und Festlegung der Reihenfolge am „Flaschenhals“, den Geräten Hürde und Kletterwand. Der Sportplatz ist zwar groß genug für alle … aber Hürde und Bringholz gibt es halt nur einmal.


Eine gute Planung hilft nichts, wenn die Teilnehmer nicht diszipliniert und konzentriert arbeiten. Hier waren aber wirklich Profis am Werk. Ohne große Diskussionen spulte jedes Team mit den mitgebrachten Helfern das festgelegte Programm ab und wir hatten so zügig gearbeitet, dass sogar noch ein Puffer bei eventuellen Schwierigkeiten beim Revieren geblieben wäre. Diesen wollte aber wegen der doch extremen Temperaturen niemand ausnutzen. Es war schon beeindruckend zu sehen, dass unsere Hunde auch bei 38 Grad (das im Schatten) noch sicher arbeiteten (das in der Sonne!). Allerdings kostete schon das Training enorm viel Kraft. In vereinter Aktion kühlten wir hinterher die Hunde nach allen Regeln der Kunst mit Wasser wieder auf normales Niveau herunter.

Sorgen machten wir uns um das Team Andreas Weithaas und Finn vom Roten Milan, dem die extreme Hitze sehr zusetzte und der deutlich darunter litt. So zog Andreas auch vor der Auslosung noch die Konsequenz und meldete seinen Hund vom Wettkampf ab. Hut ab vor dieser Entscheidung, die den eigenen sportliche Ehrgeiz hintenanstellt (man qualifiziert sich nicht so oft und leicht für diese Meisterschaft) und das Wohl des Hundes in den Vordergrund stellt!
Auslosung
Diese würde ich als organisiert chaotisch bezeichnen. So eine Auslosung erfolgt immer nach bestimmten Regeln und Reihenfolgen, die auch alle eingehalten wurden. Aber wenn in einem Bierzelt mehrere hundert Personen einfach nicht still sein wollen, man die Ansagen trotz Lautsprecher (!) nicht versteht und die Losnummern der eigenen Mannschaft nur kennt, weil sie die Lose mit zum Tisch zurückbringen…dann hilft alle Organisiertheit nichts. Und Losen muss man natürlich auch noch können. Das beherrschen unsere Teilnehmer leider nur suboptimal. Viele Sparten – das war ob der Tageszeit und des 3-Tage-Wetterberichts schon absehbar – mussten wohl nachmittags bei großer Hitze absolviert werden. Schutzdienste um 16:00 Uhr, Unterordnungen um 12:00 Uhr lassen bei angekündigten 35 Grad keine so rechte Stimmung aufkommen und so verzogen sich alle ziemlich schnell in ihre Quartiere.

Wettkampftage
Pünktlich um 7:00 Uhr waren die Mannschaftsführer jeden Tag vor Ort oder im Fährtengelände zugegen um bei Fragen oder organisatorischen Schwierigkeiten oder einfach als mentale Stütze da zu sein. Die Unterordnung wurde in diesem Jahr von Nicole Köhnen vom BK äußerst präzise besprochen und bewertet. Den Schutzdienst beurteilte Michael Kötters (DMC), der die Messlatte extrem hochlegte (es gab keine Bewertung im Vorzüglich an den drei Tagen). Dazu kam noch eine extra Richterin, die die Ablage in Abteilung B beobachtete und zwei Beirichter, die die Meisterschaft im nächsten Jahr bewerten sollen. In der Fährte machte Thomas Müller vom RSV 2000 einen super Job.
Freitag
| Hundeführer:in | Hund | A | B | C | Startzeit |
| Nele Burmeister | Ronny-Rupert von Erikson | 50 | 11:00 Uhr | ||
| Sven Koza | Energy-Pea von der Hirschkanzel | 77 | 10:00 Uhr | ||
| Stefanie Metzler | Leopold v. Tringensteiner Schelderwald | 70 | 12:00 Uhr | ||
| Jan Ritthammer | Ecstasy von der Laubenhaid | 76 | 14:30 Uhr |
Damit man erahnen kann, mit welchen Temperaturen sich unsere Teams auf dem Platz und auf dem Acker herumschlagen mussten, habe ich in die Tabelle einmal die jeweiligen Startzeiten mit aufgenommen. Es war wahrlich eine Hitzeschlacht. Seit Wochen hatte es nicht geregnet, die umgegrubberten Strohäcker für die Fährte waren demnach staubtrocken. Theoretisch sollten die Fährten wegen der Temperaturen etwas verkürzt werden, zumindest am ersten Wettkampftag gelang dies noch nicht. Wobei die Fährtenleger erstklassige Arbeit machten und jedem Hund eine gleichmäßig und fair gelegte Spur boten!



Samstag
| Hundeführer:in | Hund | A | B | C | Startzeit |
| Nele Burmeister | Ronny-Rupert von Erikson | 91 | 13:25 Uhr | ||
| Sven Koza | Energy-Pea von der Hirschkanzel | 87 | 10:00 Uhr | ||
| Stefanie Metzler | Leopold v. Tringensteiner Schelderwald | 98 | 9:00 Uhr | ||
| Jan Ritthammer | Ecstasy von der Laubenhaid | 78 | 15:40 Uhr |
Wegen der Hitze waren doch einige Ausfälle zu verzeichnen. Auch aus anderen Verbänden nahmen Hundeführer ihren Hund aus dem Wettkampf, um kein Risiko einzugehen. Insgesamt meldeten sich sechs Teams ab. Drei Hündinnen waren läufig und mussten am Ende der Veranstaltung gesondert in Abteilung B und C geführt werden, wodurch sich der Zeitplan während des Wettkampfes stetig änderte. Das führte dazu, dass – aus Mangel an „weißen Hunden“ – in Abteilung B oft kurzfristig auf eine Dreiergruppe umgestellt wurde. Ein zusätzlicher Aufreger für die Hundeführer, den sie aber mit Bravour gemeistert haben.





Sonntag
| Hundeführer:in | Hund | A | B | C | Startzeit |
| Nele Burmeister | Ronny-Rupert von Erikson | 78 | 13:30 Uhr | ||
| Sven Koza | Energy-Pea von der Hirschkanzel | 87 | 9:00 Uhr | ||
| Stefanie Metzler | Leopold v. Tringensteiner Schelderwald | 76 | 10:00 Uhr | ||
| Jan Ritthammer | Ecstasy von der Laubenhaid | 82 | 6:30 Uhr |
Eine erstklassige, gleichmäßige Arbeit zeigten die beiden Schutzdiensthelfer Lars Kamp (Teil 1) und Enrico Schwaderer (Teil 2). Genauso wie die Hunde litten sie in ihren Anzügen unter den Temperaturen, aber man merkte ihnen das konditionell in keinster Weise an. Vom ersten bis zum letzten Hund figurierten sie tadellos, mit extrem hoher Belastung auf den Hund, aber ebenso fair.




Ein Novum waren Rassevorstellungen der einzelnen Verbände zwischen dem Training der läufigen Hündinnen. Jede Rasse präsentierte sich in einem Vortrag dem Publikum und verkürzte abwechslungsreich die Zeit bis zum nächsten Durchgang.
Ergebnisse und Fazit
| Platz | Hundeführer:in | Hund | A | B | C | Gesamt | Bewertung |
| 38. | Sven Koza | Energy-Pea von der Hirschkanzel | 87 | 77 | 87 | 251 | gut |
| 41. | Stefanie Metzler | Leopold vom Tringensteiner Schelderwald | 98 | 76 | 70 | 244 | gut |
| 46. | Jan Ritthammer | Ecstasy von der Laubenhaid | 82 | 78 | 76 | 236 | befriedigend |
| — | Nele Burmeister | Ronny-Rupert von Erikson | 50 | 91 | 78 | 219 | nicht bestanden |
| — | Andreas Weithaas | Fynn vom roten Milan | — | — | — | — | Hund zurückgezogen |
Die finalen Ergebnisse zeigen…wir haben tapfer gekämpft, mussten aber den äußeren Bedingungen schon auch unseren Tribut zollen. Beim Stöbern in der kompletten Ergebnisliste aller Teilnehmer wird man das auch bei vielen anderen Hunden merken, die in einige Sparten deutlich unter ihren Möglichkeiten geblieben sind. Der Dank geht an die äußerst liebevolle Organisation durch den DMC und die örtlichen Vereine, an alle Trainingshelfer und den Fanclub. Frenetischer Jubel und Szenenapplaus bei einzelnen Übungen sind ein großartiger Motivator und helfen vielleicht über den ein oder anderen Punkt zu wenig hinweg.

Den würdigen Abschluss dieser Deutschen Meisterschaft bildete eine stilvolle Siegerehrung mit allen Teams der Verbände auf der Platzanlage. In feierlichem Rahmen wurden die Leistungen aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewürdigt und die neuen Deutschen Meister unter großem Applaus geehrt. Gerade nach einem Wettkampf unter solch außergewöhnlichen Bedingungen wurde noch einmal deutlich, dass nicht allein Platzierungen zählen, sondern vor allem der Respekt vor den gezeigten Leistungen.

Vielleicht wird sich der eine oder andere Leser fragen, warum in diesem Bericht relativ wenig über die eigentlichen Vorführungen unserer Teams zu lesen ist. Die Antwort ist ganz einfach: Eine VDH Deutsche Meisterschaft muss man selbst erleben. Weder eine Liveübertragung noch Fotos oder ein noch so ausführlicher Bericht können die Atmosphäre im Stadion einfangen – die Anspannung unmittelbar vor dem Start, den Jubel nach gelungenen Übungen, das Mitfiebern mit jedem einzelnen Team und die Emotionen. Genau dieses gemeinsame Erleben macht den Reiz einer solchen Veranstaltung aus und lässt sich kaum in Worte fassen.
Was von diesem Wochenende bleibt, sind deshalb weit mehr als Zahlen auf einer Ergebnisliste. Es sind unzählige gemeinsame Erlebnisse, gegenseitige Unterstützung, aufmunternde Worte nach missglückten Übungen und die Freude über jede gelungene Leistung. Genau dieser Teamgeist machte unser diesjähriges KfT-Team aus. Jeder kämpft zwar für sich mit seinem Hund – und doch fiebert die gesamte Mannschaft bei jedem einzelnen Start mit. Auch wenn wir sportlich sicherlich noch Luft nach oben haben, nehmen wir viele wertvolle Erfahrungen, neue Motivation und den festen Willen mit, im nächsten Jahr wieder anzugreifen. Wir freuen uns schon jetzt auf die VDH Deutsche Meisterschaft 2027 – hoffentlich bei etwas angenehmeren Temperaturen.
Uwe Ritthammer

38. Platz – Sven Koza und Energy-Pea von der Hirschkanzel

41. Platz – Stefanie Metzler und Leopold vom Tringensteiner Schelderwald

46. Platz – Jan Ritthammer und Ecstasy von der Laubenhaid

Nele Burmeister und Ronny-Rupert von Erikson
