Vom 5. bis 12 März 2016 war ich mit meinem fast 3 Jahre alten Airedale Terrier „Maserati von der Weiler Burg“ – genannt „Rati“ auf dem 2000m hohen Jaufenpaß in Südtirol beim internationalen Lawinenhundekurs des Ital. Roten Kreuz. Rati war wieder der einzige Airedale Terrier, die anderen Hunde waren meist Retriever oder Border Collies. Da wir letztes Jahr schon mal dort waren, kamen wir in die Gruppe der Fortgeschritten. Dieses Jahr gab es dort oben auf dem Berg sehr viel Schnee und so konnten wir am ersten Vormittag mehrere große Schneehöhlen graben, in denen wir uns abwechselnd für die Hunde versteckten. Die Höhlen sollten möglichst groß sein, doch der Eingang möglichst klein sein, damit er gut mit Schneeblöcken und losem Neuschnee verschlossen werden konnte. Das war Schwerstarbeit. Während wir die Schneehöhlen gruben, blieben unsere Hunde auf dem Zimmer.

Damit unsere Hunde windgeschützt am Rand des Lawinenkegels warten konnten, grub jeder für seinen Hund eine Schneegrube und vergrub einen Schneeteller ( ein Freund fertigte mir eine ca. 25cm große runde Scheibe aus Aluminium mit einem Seil in der Mitte) – damit ließen sich die Hunde sicher im Schnee festbinden. In unsere Gruppe warteten alle Hunde ruhig und ohne Gekläff bis sie dran waren.

Wir wohnten in der Woche in einfachen 2-4 Bettzimmer (wir teilten unser Zimmer mit der Staffelfreundin Claudia und ihrer Russ-Terrierhündin Cany) mit zwei funktionierenden warmen Duschen auf dem Flur für alle im Jaufenhaus. Wir nahmen gegen einen kleinen Aufpreis unsere Hunde mit aufs Zimmer – es gab auch Hundeführer, die ihre Hunde in Boxen in der Garage schlafen ließen… Doch das Frühstück und abends das 5-Gänge Essen war spitze.

Morgens um 6.30 Uhr rappelte mein Wecker, denn vor dem tollen Frühstück um 8 Uhr lief ich noch ausgiebig mit Rati. Da traf er immer Hundekumpel zum toben.

Um 9 Uhr begann das Training auf dem Lawinenkegel. Es gab eine willkürliche Reihenfolge, wie wir die Wartekuhlen für unsere Hunde gegraben hatten und das war dann auch die Reihenfolge im Training. Obwohl alle Hunde in unser Gruppe schon verschlossene Schneehöhlen abgesucht hatten in den Jahren davor, machten wir es den Hunden am Anfang leicht und es versteckten sich Hundeführer für andere Hunde in offenen Höhlen. Danach wurden die Höhlen fester verschlossen, auch mal Höhlen ohne Mensch drinnen verschlossen – davon ließ sich aber kein Hund verunsichern. Alle Hunde waren begeistert dabei. Am Anfang war es für die Hunde sehr schwer durch den hohen Schnee zu rennen und für uns Menschen war das Laufen im Neuschnee nur mit Schneeschuhen möglich, oder man versank teils bis zu den Hüften im Schnee. Im laufe der Woche traten wir den Schnee fest und  Hund und Mensch konnte dann leichter auf dem Schnee laufen. Wir trainierten täglich von 9-16 oder 16.30 Uhr mit einer guten Stunde Pause. In der Pause brachte ich Rati immer aufs Zimmer und er machte dort einen Mittagsschlaf. Wir wechselten mit einer andern Gruppe auch mal das Suchgebiet.

Nach dem leckeren Abendessen gab es für die Zweibeiner noch Theorieunterricht (1. Hilfe am Menschen und Hund, Lawinen und Schneekunde, Einsatztaktik usw.). Es gab ab und zu Hundeführer, die kurz einnickten. Bei dem Theorieunterricht waren einige Hunde dabei, Rati schlief meist auf dem Zimmer.

Die ersten zwei Tage war es sehr kalt (-10 bis -15°C), grau bewölkt und es schneite noch kräftig, aber dann gab es wolkenlosen Himmel = nachts war es noch kälter und es gab einen tollen Sternenhimmel und tagsüber wurde es in der Sonne teils angenehm warm. In der Wartekuhle lag Rati auf einer Isomatte und Plüschdecke   und vormittags trug er ein wämenden Hundemantel, nachmittags in der Sonne brauchte er den Hundemantel nicht mehr. Rati trug auch seinen dicken Winterpelz (inzwischen ist er getrimmt).

Am Freitag den 11. März gab es dann den LawineB-Test: es galt auf einem riesigen Schneegebiet 3 Personen zu finden, eindeutig anzuzeigen und dann mit Hilfe des Hundeführers auszugraben. Als erstes fand Rati eine Frau in einer Schneehöhle, dann fand er einen Mann im „Schneegrab“ (da liegt ein Mensch auf einer Isomatte und wird komplett mit 10-20 cm Schnee zugeschaufelt, der Mensch verschafft sich durch Körperhaltung eine Lufthöhle – aber der Schnee drückt doch heftig auf den Körper und als ich mal über 20 Minuten für einen Hund im Schneegrab lag, wurde es doch sehr ungemütlich, nur die Gewissheit, daß „Gretel“ mich bald findet, verhinderte Panik) und zum Schluß fand er die letzte Person in einer weit entfernten Schneehöhle – Test bestanden!

Nun fragt sich sicher mancher, was soll die Lawinenhundeausbildung für einen Hund in Hamburg? In Hamburg gibt es doch keine Lawinen! Das stimmt und wir würden auch nicht zu Lawinenunglücken im Harz oder Alpen fahren, aber es kann in schneereichen Wintern passieren, daß eine vermißte Person in den Schnee fällt und eingeschneit wird und dann ist es gut, wenn unsere Hunde die Schneesuche kennen. Ich betrachte diese Lehrgänge auch als Ausbildungsergänzung und es gibt viele interessante Gespräche mit anderen Hundeführen anderer Organisationen und anderer Länder.

Positiv war dieses Jahr, daß es unter den Hunden gar keinen Streß oder gar Rauferei gab. Auch fand ich es toll, daß jeder Zweibeiner für jeden Hund sich versteckte, beim Schaufeln half und auf alle Wünsche eingegangen wurde. Die Woche war für Mensch und Hund zwar anstrengend, hat aber auch viel Spaß gebracht und das Team Mensch-Hund weiter gefestigt.

Auf der Heimfahrt hörten wir im Autoradio, daß es im Ahrntal in Südtirol ein schlimmes Lawinenunglück gab und auch mit Lawinenhunden gesucht wird. Es wurden 8 Überlebende, aber auch 6 Tote geborgen. Als ich dann abends die Spätnachrichten sah, erkannte ich 2 Südtiroler Lawinenhundeführer und ihre Hunde, mit denen wir die Woche verbracht hatten – so schnell wurde aus Spaß Ernst.

Kirsten Brand  + Rettungshundeazubi Rati