Hot spot

„Hot spot“

ein häufiges Hautproblem beim Hund

Dr. med. vet. Stefanie Peters, Tierärztliche Klinik, Birkenfeld, http://www.tierklinik-birkenfeld.de

Einleitung

Die akute pyotraumatische Dermatitis, wissenschaftlich Dermatitis madidans acuta, umgangssprachlich einfach „Hot spot“ genannt stellt gerade in der warmen Jahreszeit ein ausgesprochen häufiges Hautproblem beim Hund dar. Wegen der enorm kurzen Entstehungszeit ( oft buchstäblich „über Nacht“ ) und des mitunter dramatischen Aussehens, verbunden mit deutlichen Schmerzen oder starkem Juckreiz, ist ein solcher „Hot spot“ nicht selten ein Grund, den tierärztlichen Notdienst aufzusuchen. Gleichzeitig gehört er zu den wenigen Hauterkrankungen, bei denen eine „Blickdiagnose“ möglich ist ( wenn auch die Abklärung der Ursache längere Zeit in Anspruch nehmen kann, siehe später! ).

Bei frühzeitiger Erkennung und korrekter Behandlung heilt die Erkrankung in den meisten Fällen auch in kurzer Zeit ab.

Definition:

Unter einer pyotraumatischen Dermatitis versteht man einen lokalisierten Hautbereich mit akuter Entzündung und Exsudatbildung, der durch Lecken, Kratzen, Beißen etc. traumatisiert wird

Ursachen und Entstehung

1. Ursachen

Lange Zeit ging man davon aus, dass „Hot spots“ ihre Ursache in verminderter Belüftung des Fells zusammen mit erhöhter Temperatur auf der Hautoberfläche haben. Für diese Vermutung sprach, daß diese Hautprobleme bevorzugt in der warmen Jahreszeit und bei Hunden mit dichtem, langem Fell auftreten. Mittlerweile ist bekannt, dass es nicht eine Ursache, sondern eine Reihe ganz unterschiedlicher Faktoren gibt, die zur Entwicklung eines solchen „Hot spots“ prädisponieren. Bekannt sind „Hot spots“ als:

1. Allergische Reaktion auf Flöhe. Dabei treten, ähnlich wie bei der klassischen Flohbissallergie des Hundes auch, die Veränderungen meist im Bereich von Kruppe und Oberschenkeln auf.

2. Allergische?) Reaktion auf schmerzhafte , juckende oder entzündliche Prozesse in der unmittelbaren Nachbarschaft. Hier sind als häufigste Ursachen Entzündungen der Ohren ( „Hot spots“ im Bereich von Backe, seltener am Hals, s. Abb. 3 ) und der Analbeutel ( „Hot spot“ im Bereich von Kruppe, Oberschenkel oder Innenschenkel, s. Abb. 4 und 5 ) zu nennen.

3. Reaktion auf mechanische/anatomische Probleme: Fremdkörper oder reizende Substanzen im Fell ( auch Reste von Medikamenten, Shampoos etc. ) sowie ein verschmutztes, verfilztes Fell können zur Entstehung von „Hot spots“ führen. Diese befinden sich dann – ohne Prädilektionsstellen – in der Nähe des oder der solchermaßen veränderten Bezirke, können auch unter Plattenverfilzungen flächenhaft auftreten. Bei Tieren mit dichtem Haarkleid und starkem Speichelfluss wie beispielsweise Neufundländern kann man während der warmen Jahreszeit häufig „Hot spots“ im Bereich neben den Lefzen sowie unter dem Hals beobachten. Ursache ist eine Mazeration der Haut infolge einer Akkumulation von Feuchtigkeit zusammen mit erhöhter Temperatur auf der Hautoberfläche ( „Treibhauseffekt“ ).

4. Reaktion auf kleine Verletzungen wie Schürfwunden etc. oder auf Irritationen beispielsweise nach dem Scheren.

5. Allergische Reaktion auf andere Ektoparasiten, z. B. Milben ( v. a. Cheyletiellen ), Zecken.

6. Manifestation einer anderen allergischen Erkrankung wie Allergie auf Aeroallergene ( „Atopische Dermatitis“ ), Futterbestandteile. Dies gilt v. a. für rezidivierende Fälle.

Neben diesen prädisponierenden Faktoren gibt es zusätzlich eine Prädisposition für bestimmte Hunderassen, einen „Hot spot“ zu entwickeln. Hierzu gehören Labrador, Golden Retriever, Collie, DSH, Bernhardiner, Neufundländer, Rottweiler und Bobtail. Generell sind allerdings, wie bereits erwähnt, Hunde mit langem Haarkleid und/oder dichter Unterwolle überdurchschnittlich häufig betroffen. Rottweiler, Neufundländer, Golden Retriever und Bobtail tendieren weiterhin besonders zur Ausbildung von „Hot spots“.

2. Entstehung

Bei den oberflächlichen „Hot spots“ steht die Selbsttraumatisierung aufgrund von Juckreiz und allergischen Reaktionen im Vordergrund: Die Hunde lecken, knabbern und kratzen – je nach Lokalisation – so stark, dass binnen kürzester Zeit ( meist Stunden bis höchstens 1 Tag ) die beschriebenen Veränderungen auftreten. Bakterielle Entzündungen sind hier ursächlich nicht beteiligt. Die Exsudatbildung führt allerdings zu guten Lebensbedingungen für die auf Haut und Schleimhaut ubiquitären Bakterien. Gerade bei länger bestehenden Veränderungen ( wenn beispielsweise der „Hot spot“ erst nach einigen Tagen bemerkt wird ) kann es dann zu einer sekundären bakteriellen Besiedelung und Infektion kommen.

Im Gegensatz hierzu steht der tiefe „Hot spot“ eine echte bakterielle Infektion dar: Es kommt zu einer Follikulitis ( Haarbalgentzündung ), die auch auf das umliegende Gewebe übergreifen kann. Diese Entzündung ist meistens sehr schmerzhaft, so dass die Selbsttraumatisierung geringer ist. Da die Bakterien hier eine zentrale Rolle spielen, müssen sie auch entsprechend intensiv behandelt werden, um ein Übergreifen der Entzündung in tiefere Hautschichten und eine Zerstörung der Haarbälge zu verhindern. Die Behandlung erfolgt hier meist mit Tabletten und äußerlicher Behandlung und die ist wesentlich langwieriger als bei der oberflächlichen Form.

Formen und Aussehen des „Hot spots“

Der „Hot spot“ tritt in 2 Erscheinungsbildern auf, die auch von geübten Tierärzten nicht immer ohne weitere Untersuchungen unterschieden werden können. Der erste und wichtigste Schritt ist das Ausscheren des betroffenen Bereiches, was je nach Lokalisation und nach Temperament des Patienten gerade bei den sehr schmerzhaften tiefen Formen eine Sedation oder eine Allgemeinanästhesie erforderlich macht. Da eine richtige Einstufung des „Hot spots“ in oberflächliche oder tiefe Form von entscheidender Bedeutung für die Behandlung ist und die örtliche Behandlung bei dieser Hauterkrankung den wichtigsten Teil der Therapie darstellt, sollte keinesfalls auf die Maßnahme verzichtet werden. Beim anschließenden Abtasten der Veränderung kann die Einteilung in oberflächliche und tiefe Form bestätigt werden.

1. Oberflächlicher „Hot spot“

Typisch für diese etwas häufiger auftretende Form ist ein haarloser, nässender, in der Mitte gelblich glänzender Bezirk, der von einem rötlichen Randbezirk umgeben und von der umgebenden gesunden Haut scharf abgegrenzt ist. Die Haare aus der Umgebung sind meist mit der Veränderung verklebt, die Veränderung selbst mehr oder weniger haarlos.

Die Größe variiert von 10 Pfennig- bis Handflächengröße, die Form ist meist rundlich bis oval ( Abb. 1 und 2 ).

Juckreiz ist vorhanden und i.d.R. sehr stark. Beim Abtasten erscheint die Veränderung eher flach und ist kaum schmerzhaft.

2. Tiefer „Hot spot“
( bakterielle Follikulitis und Furunkulose)

Der tiefe „Hot spot“ ist ebenfalls mehr oder weniger haarlos und variiert in der Größe von 10 Pfennig- bis Handflächengröße.

Im Gegensatz zu der oberflächlichen Form ist er aber eher schlecht zur Umgebung hin abgegrenzt und hat zahlreiche sogenannte „Satelliteneffloreszenzen“ außerhalb der eigentlichen Veränderung. Diese zeigen sich als kleine Pusteln, offene und nässende Stellen und werden in der Regel erst nach dem Ausscheren sichtbar ( Abb. 4 und 5 ). Die gesamte Veränderung ist verdickt und scherzhaft, so dass eine genaue Untersuchung mit Abtasten in vielen Fällen erst nach Sedation erfolgen kann (Abb.3). Der Juckreiz ist gering oder fehlt ganz.

Diagnostisches Vorgehen:

Die Diagnostik erfolgt in 2 Stufen: Zunächst wird die Diagnose „Hot spot“ gestellt, als nächstes wird nach den möglichen Ursachen gesucht:

Rasse ( Präposition? ), Jahreszeit, Vorbericht ( v.a. hochakutes Auftreten ), klinisches Bild und Lokalisation der Veränderung.

Diagnose: „Hot spot”
Ausscheren der Veränderung ( gleichzeitig Einordnung oberflächliche oder tiefe Form)

Abklärung der möglichen Ursache(n)

Je nach Lokalisation der Veränderung(en)

- Untersuchung auf Flöhe ( generell zu empfehlen )

- Untersuchung auf Verfilzungen, Fremdkörper im Fell etc.

Eingehende Untersuchung der Ohren, evtl. Ohrabstrich und zytologische Untersuchung der beteiligten Organismen (Bakterien, Hefepilze etc. )

Untersuchung und evtl. gezielte Behandlung der Analbeutel

Untersuchung auf andere Ektoparasiten ( Hautgeschabsel, Klebeband – Abklatsch, Anreicherungsverfahren etc. )

( Evtl. ): Abklärung anderer Allergien ( Intrakutantest bei atropischer Dermatitis, Eliminations-/Provokationsdiät bei Futtermittelallergie )

Therapie

Unabhängig davon, ob es sich um einen oberflächlichen oder tiefen „Hot spot“ handelt, sollte die Veränderung nach dem Ausscheren mit einer milden, antiseptischen Lösung gereinigt werden. Hierbei werden auch verklebte Haare, Krusten etc. mit entfernt, und das ganze Ausmaß der Veränderungen wird sichtbar ( wichtig v. a. bei der tiefen Form ).

Immens wichtig ist gerade bei der Behandlung von „Hot spots“ die korrekte Auswahl der Applikationsform: Diese feuchten Veränderungen dürfen keinesfalls mit Salben, Pasten o.ä. behandelt werden, da diese viel zu stark abdecken und die bakterielle Entzündung sowie eine Mazeration des Gewebes fördern, den Zustand also noch verschlimmern. Geeignet für die Behandlung sind wässrige Lösungen ( auch als Spray ), Lotionen und evtl. noch Cremes, bei „ tiefen „Hot spots“ evtl. auch antibakterielle Shampoos ( z.B. mit Ethyllacktat ).

Beim oberflächlichen „Hot spot“ wird die örtliche Behandlung mit adstringierend ( austrocknend ) und gleichzeitig gegen Juckreiz wirkenden Mitteln durchgeführt. Geeignet sind 3-5 %ige Aluminium- Acetat-Lösungen ( z.B. „Burow`sche Lösung“ ) und Hamamilis-Kampfer-Menthol-Mischungen ( z.B. Dermacool-Spray ). Sie werden häufig mit Antibiotika-Cortison-Cremes oder Cortison-Lösungen kombiniert, um die allergische Reaktion und den Juckreiz zu vermindern und, falls nötig, auch eine sekundäre bakterielle Entzündung mitzubehandeln. Die örtliche Behandlung der Veränderung(en) stellt die wichtigste Behandlungsmaßnahme dar und sollte alle 2-3 Stunden, wenn möglich, erfolgen.

Bei sehr starkem Juckreiz, bei großen oder mehreren Veränderungen oder bei Hunden, bei denen eine örtliche Behandlung schlecht oder gar nicht möglich ist, kann es nötig sein, kurzwirksame Cortisonpräparate in Tablettenform für einige Tage zu verabreichen. Die Gabe von hautwirksamen Antibiotika in Tablettenform ist nur in Ausnahmefällen erforderlich. Bei konsequenter Behandlung heilen die Veränderungen in 4-7 Tagen ab.

Beim tiefen „Hot spot“ können gleichzeitig die genannte „Burow`sche Lösung“ und Dermacool verwendet werden. Da sich die Therapie aber in erster Linie gegen Bakterien richtet, sollten diese unbedingt mit einem örtlichen Antiseptikum kombiniert werden. Sehr gut bewährt hat sich PVP-Iod-Lösung, z.B. Betaisodona-Lösung, in einer Verdünnung von 1:50 bis 1:100. Die örtliche Behandlung sollte auch hier mehrmals täglich erfolgen.

Bei dieser Form muss zusätzlich auch die Behandlung mit einem „hautwirksamen“ Antibiotikum in Tablettenform 2 Wochen über die vollständige Abheilung hinaus, d.h. insgesamt für mindestens 3 Wochen, erfolgen.

Die Behandlung mit cortisonhaltigen Präparaten ist hier, im Gegensatz zu der oberflächlichen Form, contraindiziert!!!

Neben der Behandlung des eigentlichen „Hot spots“ muss natürlich die Behandlung der Ursache, falls bekannt, erfolgen, also beispielsweise Flohbekämpfung, Bekämpfung anderer Parasiten, gezielte Behandlung entzündeter Ohren oder Analbeutel, Verbesserung der Fellpflege und –Hygiene etc.

Bei Rezidiven sollte auch an weniger häufige Ursachen gedacht und diese abgeklärt werden. In erster Linie sind hier an die Abklärung einer atopischen Dermatitis ( Allergie auf Allergene in der Luft wie Pollen, Hausstaub, Hausstaubmilben, menschliche Hautschuppen etc. ) und an die Abklärung einer „Futtermittelallergie“ zu denken.

Bleibt trotz korrekter Therapie der Veränderung und der Ursache(n) der Therapieerfolg aus, muss unbedingt die Diagnose überprüft werden.

Andere Erkrankungen, die gerade im Frühstadium sehr ähnlich aussehen können, sind v.a. Dermatophytose ( Hautpilzerkrankung ) Demodikose ( kann auch als Komplikation auftreten! ), Verkalkungen der Haut aufgrund von hormonellen Störungen wie Hyperadrenokortizismus ( „Cushing-Erkrankung“, s. Abb.6 ) sowie verschiedene Hauttumore ( Lymphosarkom, Schweißdrüsenkarzinom etc. ).

Vorbeugende Maßnahmen

Manche Hunde neigen gerade in der warmen Jahreszeit immer wieder zur Entwicklung solcher „Hot spots“. Eine gute Fellpflege und –hygiene sollten eigentlich selbstverständlich sein. Ohren und Analbeutel sollten regelmäßig kontrolliert und falls nötig behandelt werden. Bei Tieren, deren Probleme durch Flöhe hervorgerufen werden, empfehlen sich zur Flohkontrolle Präparate, die einen „Anti-Feeding-Effekt“ haben. Diese verhindern bereits einen Flohbiss und damit das Eindringen von Flohspeichel in den Körper, der die allergische Reaktion auslöst. Bildet sich trotz all dieser Bemühungen trotzdem ein „Hot spot“, wird er in der Regel sehr früh bemerkt und kann entsprechend behandelt werden, ehe er sich weiter ausbreitet oder Komplikationen auftreten.

Anschrift der Verfasserin:

Dr. Stefanie Peters, Tierärztliche Klinik, Am Schönewald, 55765 Birkenfeld,

Legende zu den Abbildungen:

Abb.1:Oberflächlicher „Hot spot“ vor dem Ausscheren. Sehr gut ist die haarlose Veränderung mit

gelblich glänzendem Zentrum, gerötetem Randbereich und mit verklebten Haaren aus der Umgebung zu erkennen.

Abb.2:Ein oberflächlicher „Hot spot“ nach dem Ausscheren. Ähnliche Veränderungen wie bei Abb.

1 sind zu sehen, außerdem ist gut zu erkennen, daß der oberflächliche „Hot spot“ von der Umgebung gut abgegrenzt und flach ist.

Abb.3: Ein ausgegorener tiefer „Hot spot“ an der Backe eines Rottweilers mit Otitis externa ( Ohrentzündung).

Bei diesem Patienten ist sehr gut zu erkennen, wie stark verdickt die Veränderung ist.

Abb.4

und 5:

Ein tiefer „Hot spot“ auf der Kruppe eines Westhighland White-Terriers vor und nach dem Ausscheren. Erst nach dem Ausscheren sind der ganze Ausmaß der Veränderungen und die „Satelliteneffloreszenzen“ zu erkennen.

Abb.6:

Eine Calcinosis cutis (Verkalkung) im Bereich des seitlichen Brustkorbs einer 12jährigen Pudelhündin mit Hyperadrenokortizismus („Cushing-Erkrankung). Bei dieser Erkrankung kommt es zu einer exzessiven Bildung körpereigenem Cortison, meist aufgrund eines Tumors der Hirnanhangdrüse. Neben zahlreichen anderen Veränderungen tritt bei manchen Hunden eine verstärkte Mineralisation und Verkalkung v.a. der kollagenen Fasern der Haut und nachfolgend eine starke Entzündungsreaktion des umliegenden Gewebes auf. Diese Verkalkung ähnelt rein optisch einem „Hot spot“ und stellt eine wichtige Differentialdiagnose dar, nicht zuletzt, weil der Hyperadrenokortizismus eine lebensbedrohliche Erkrankung ist,die schnellstmöglich behandelt werden sollte.

Ein herzliches Dankeschön an Frau Dr. Peters für das zur Verfügungstellen dieses interessanten Artikels.